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04.12.2022

Österreich in der Welt

In dieser Rubrik stellen wir Auslandsösterreicher:innen und ihre spannenden Laufbahnen vor. Rund 580.000 österreichische Staatsbürger:innen leben überall auf der Welt verteilt. Wir möchten von ihnen wissen, was sie an Österreich vermissen, was an ihrem neuen Lebensmittelpunkt besser geregelt ist und was Österreich daraus lernen kann – oder umgekehrt.
„Parteigründer“ ist nur eine von zahlreichen Stationen in Veit Denglers Werdegang. Als er 2012 NEOS mit aufbaut, kann er bereits auf eine abwechslungsreiche Karriere als Unternehmensberater und Manager im IT- und Medienbereich zurückblicken.
Alexander van den Oever ist Head of Customer Service Middle East & Africa bei SSI Schäfer und seit 2018 in Dubai.
Astrid Hofer lebt und arbeitet in London - dem Schmelztiegel, der Menschen fasziniert und nicht mehr loslässt.
Martin Wallner ist Unternehmer in Austin, Texas. An der Harvard University studierte er Geschichte und Ostasienwissenschaften.
Willi Schlögl ist Sommelier und Wirt und betreibt die Weinbar Freundschaft in Berlin-Mitte. In seinem Podcast "Terroir & Adiletten" erklärt er den Hörer:innen die Weinwelt.
Eine echte Europäerin. So beschreibt sich Arlette Zakarian selbst. Die Juristin mit armenischen Wurzeln, geboren im Iran, kam im Alter von drei Jahren nach Wien.
Dietrich Haubenberger ist Neurologe und klinischer Forscher sowie seit 2019 Präsident des Vereins ASciNA (Austrian Scientists and Scholars in North America).

Norbert Bischofberger




Österreich sollte elitärer sein – zumindest bei den Universitäten. Das sagt Norbert Bischofberger, CEO und Präsident des biopharmazeutischen Unternehmens Kronos Bio mit Sitz in San Mateo, Kalifornien.

Der Biochemiker stammt aus Mellau in Vorarlberg, studierte Chemie an der Universität Innsbruck und schrieb seine Doktorarbeit in Organischer Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Sein Postdoktorat absolvierte Bischofberger bei Syntex in Palo Alto, Kalifornien und an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Anschließend startete er seine Karriere beim Biotechnologie-Unternehmen Genentech in San Francisco, bevor er zum biopharmazeutischen Unternehmen Gilead wechselte.

Als Leiter für Forschung und Entwicklung führte er Gilead von weniger als 50 Mitarbeiter:innen zu einem der größten Pharmaunternehmen der Welt mit rund 10.000 Beschäftigten in 35 Ländern. Bischofberger entwickelte dort Mittel gegen virale Infekte, etwa Tamiflu gegen Grippe, Einzeltabletten-Therapien gegen HIV sowie neue Therapien gegen Hepatitis C. Nach 28 Jahren verließ Bischofberger Gilead im Jahr 2018, um sich bei Kronos Bio seither der Hämatologie und Onkologie zu widmen.

Österreich habe zwar ein gutes Bildungssystem, es müsse aber elitärer werden, so Bischofberger. Neben den „normalen“ Hochschulen brauche es auch eine Eliteuniversität für jene Studierende, die sich von der Menge abheben. Zudem fehle in Österreich ein einfacher Zugang zum Kapitalmarkt und zur Finanzierung bei Firmengründungen. Hundertausende Euro aufzutreiben sei in Österreich zwar über diverse Kanäle leicht möglich, Millionenbeträge hingegen nicht. Das sei in den USA ganz anders. Ebenso sei die Einstellung der Menschen, besonders in Kalifornien, wo Bischofberger seit den 1980er Jahren lebt, eine positivere und optimistischere als in Österreich. Das zeige sich etwa im weit verbreiteten Willen, Risiken einzugehen und mögliches Scheitern wohlwollend in Kauf zu nehmen, oder im Glauben an eine bessere Zukunft durch Technologie.

Österreich könne von den USA lernen, unterschiedlichste Meinungen und Stimmen zuzulassen, das Eingehen von Risiken zu fördern und Scheitern als etwas Positives zu betrachten.