Lern-Apps kommen endlich in der Schule an
Nach zehn Jahren Kampf für eine sinnvolle Finanzierung von digitalen Lernplattformen an österreichischen Schulen ist es nun endlich so weit: Der Marktplatz Lernapps öffnet seine Tore.
Bevor der Marktplatz Lernapps Realität wurde, war der Markt für digitale Lernangebote in Österreich stark fragmentiert und strukturell benachteiligt. Schulen mussten sich digitale Lern-Apps einzeln suchen und standen dann oft vor großen administrativen und finanziellen Hürden.
Während gedruckte Schulbücher über die Schulbuchaktion klar geregelt und mit einem Budget von 130 Millionen Euro ausgestattet waren, gab es für rein digitale Produkte keine gleichwertige Finanzierung. Wer als Anbieter mit einer App ins System wollte, bekam mitunter den ernst gemeinten Rat, das Produkt doch „auf eine CD zu brennen“, um es formal als physisches Medium verkaufen zu können.
Spätestens in der Pandemie zeigte sich, wie groß der Bedarf an digitalen Lernplattformen ist, doch strukturell blieben sie gegenüber analogen Angeboten im Nachteil. Der Markt war da, die Innovation ebenso, nur der systematische Zugang fehlte. Darüber hat EdTech Austria schon vor drei Jahren geschrieben, nicht zuletzt in diesem Materie-Beitrag.
Regelbetrieb ab Herbst 2026
Umso mehr freue ich mich, dass die notwendige, sinnvolle Finanzierung nun über den Marktplatz Lernapps unter dem neuen Bildungsminister mit der schwarz-rot-pinken Regierung endlich Realität werden konnte. In Windeseile wurde die Konzeptionierung und Entwicklung des Marktplatz Lernapps nach Amtsantritt lanciert, damit dieser tatsächlich schon nach wenigen Monaten mit dem 2. Semester dieses Schuljahres in den Probebetrieb gehen kann.
Was von Vorgängerregierungen jahrelang als unmöglich verkauft wurde, und wenn überhaupt, dann mit einer Vorlaufzeit von 3-5 Jahren realisierbar sei, wurde nun in wenigen Monaten Realität. Der Marktplatz wird jetzt nicht perfekt sein, aber Erkenntnisse aus dem Probebetrieb werden in den Regelbetrieb ab Herbst 2026 einfließen. Dieses frühe Testen mit echten Kundinnen und Kunden zeichnet den modernen Zugang zur Software-Entwicklung aus und erlaubt es, Systeme zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Lehrer- und Schüler:innen tatsächlich gerecht werden. Und man sieht jetzt schon: Der Andrang ist groß.
Angebot an Lern-Apps kennenlernen
Schon bevor die ersten Angebote überhaupt sichtbar waren, haben sich nach wenigen Tagen schon mehr als ein Viertel aller zugangsberechtigten Schulen für den Probebetrieb angemeldet. Um den Marktplatz Lernapps und die qualitätsgeprüften Angebote darauf kennenzulernen, eignet sich nichts besser als ein Besuch auf der digitalen EdTech Austria Roadshow von 17.2. – 5.3.2026: Dort gibt es eine Hands-on-Einführung durch das Bildungsministerium, sowie die Möglichkeit, etliche der Anbieter:innen in kurzen Breakout-Sessions kennenzulernen. Für Lehrer:innen ist die Teilnahme daran als Fortbildung anrechenbar.
Innovation in der Bildung fördern
Der Marktplatz Lernapps ist dabei nicht nur ein neues Beschaffungstool für Schulen, sondern auch ein wirtschafts- und innovationspolitisches Signal. Er schafft erstmals einen transparenten, qualitätsgesicherten Zugang zum öffentlichen Bildungsmarkt, insbesondere auch für österreichische EdTech-Unternehmen. Statt sich mühsam durch föderale Einzelentscheidungen oder intransparente Prozesse zu kämpfen, erhalten Anbieter:innen einen klar definierten Rahmen und planbare Perspektiven.
Das stärkt nicht nur bestehende Unternehmen, sondern kann auch neue Innovation anstoßen: Wer weiß, dass es einen fairen und funktionierenden Marktzugang gibt, investiert eher in die Entwicklung hochwertiger, pädagogisch fundierter digitaler Produkte. Damit wird der Marktplatz nicht nur eine Plattform, er wird auch zu einem Hebel für die Weiterentwicklung des Bildungsökosystems in Österreich.
Und noch etwas: Im Gegensatz zur Schulbuchaktion, dotiert mit besagten 130 Millionen Euro, gibt es im Regelbetrieb am Marktplatz Lernapps gerade etwa 20 Millionen Euro jährlich. Nach wie vor wichtig ist die mittelfristige Zusammenführung dieser beiden Töpfe, so dass sich Lehrkräfte das beste Lernmaterial für ihre Schüler:innen aussuchen können – egal, ob gedruckt, digital oder hybrid. Dies ist ebenfalls ein Vorhaben im aktuellen Regierungsprogramm.
MICHAEL MAURER ist CEO und Co-Founder des EdTech-Unternehmens eSquirrel. Er hat an der TU Wien promoviert und mit seiner Plattform mehr als 100.000 Schüler:innen und Lehrer:innen den Unterrichtsalltag erleichtert. Er setzt sich für eine sinnvolle Digitalisierung in Österreichs Schulen ein und strebt die Gleichstellung von analogen und digitalen Lernmitteln an. Michael lebte in Brüssel, New York und Košice, nun Niederösterreich und Wien.