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03.12.2022

Österreich in der Welt

In dieser Rubrik stellen wir Auslandsösterreicher:innen und ihre spannenden Laufbahnen vor. Rund 580.000 österreichische Staatsbürger:innen leben überall auf der Welt verteilt. Wir möchten von ihnen wissen, was sie an Österreich vermissen, was an ihrem neuen Lebensmittelpunkt besser geregelt ist und was Österreich daraus lernen kann – oder umgekehrt.
„Parteigründer“ ist nur eine von zahlreichen Stationen in Veit Denglers Werdegang. Als er 2012 NEOS mit aufbaut, kann er bereits auf eine abwechslungsreiche Karriere als Unternehmensberater und Manager im IT- und Medienbereich zurückblicken.
Österreich sollte elitärer sein – zumindest bei den Universitäten. Das sagt der Biochemiker Norbert Bischofberger, CEO und Präsident von Kronos Bio.
Astrid Hofer lebt und arbeitet in London - dem Schmelztiegel, der Menschen fasziniert und nicht mehr loslässt.
Martin Wallner ist Unternehmer in Austin, Texas. An der Harvard University studierte er Geschichte und Ostasienwissenschaften.
Willi Schlögl ist Sommelier und Wirt und betreibt die Weinbar Freundschaft in Berlin-Mitte. In seinem Podcast "Terroir & Adiletten" erklärt er den Hörer:innen die Weinwelt.
Eine echte Europäerin. So beschreibt sich Arlette Zakarian selbst. Die Juristin mit armenischen Wurzeln, geboren im Iran, kam im Alter von drei Jahren nach Wien.
Dietrich Haubenberger ist Neurologe und klinischer Forscher sowie seit 2019 Präsident des Vereins ASciNA (Austrian Scientists and Scholars in North America).

Alexander van den Oever




Alexander van den Oever ist Head of Customer Service Middle East & Africa bei SSI Schäfer und seit 2018 in Dubai. Zuvor hat er die HTBLA Graz-Gösting mit der Fachrichtung Wirtschaftsingenieurswesen abgeschlossen, derzeit studiert er an der FH Burgenland im Masterstudiengang für Projekt- und Prozessmanagement.

An seinem derzeitigen Wohnort beschreibt van den Oever viele positive Aspekte im Arbeitsleben: Man zahlt keine Steuern, bei einem Jobwechsel steht Arbeitnehmer:innen eine Abfertigungszahlung zu, Versicherungsbeiträge werden vom Arbeitgeber übernommen. Denn eine staatliche Pensionsvorsorge oder Arbeitslosengeld gibt es in Dubai nicht, zudem muss man als Ausländer:in bei Jobverlust in kürzester Zeit das Land verlassen.

Besonders in seinem Berufsfeld sieht van den Oever Dubai als positives Beispiel: Kundenservice werde in wirklich jeder Sparte großgeschrieben. So sei es etwa besonders angenehm, viele alltägliche Dinge digital abwickeln zu können. Von der Bezahlung allgemeiner Kosten wie Müll oder Strom über die Abwicklung von Autoreparaturen und Arztterminen bis hin zur Meldung von Autounfällen an die Polizei – alles ist mittels App möglich.

Hier sieht er großes Lernpotenzial: Österreich müsse mehr Effort in Technologie und Entwicklung stecken, denn er habe das Gefühl, bei uns passiere alles immer erst ein bis zwei Jahre später. Als weiteres positives Beispiel nennt van den Oever ein Unternehmen, das die mobile Betankung des eigenen Autos anbietet, egal wo man gerade ist – man erspart sich also die Fahrt zur Tankstelle. Oder auch das weit verbreitete Angebot des Safe Drivers, wobei man mit dem eigenen Auto nach Hause chauffiert wird, wenn man selbst nicht mehr fahren kann oder möchte.

Und auch im Alltag fühlt sich der Steirer in Dubai wohl. Es herrsche eine große Hilfsbereitschaft gegenüber Expats, jede:r werde willkommen geheißen, das gelte insbesondere auch für Kinder. Ein hohes Sicherheitsgefühl und die niedrige Kriminalitätsrate empfindet er als angenehm. Positiv findet van den Oever auch, dass Mietpreise jedes Jahr neu verhandelt werden, was in vielen Fällen zu niedrigeren Mieten führt.

An Österreich kritisiert van den Oever besonders die Einstellung – man solle nicht so viel jammern, sondern lieber schauen, was es in anderen Ländern nicht so selbstverständlich gebe wie in Österreich: Die hohe Anzahl an Urlaubstagen und Feiertagen, Arbeitslosengeld, Sozialversicherung und viele Rechte für Arbeitnehmer:innen. Besonders letztere seien in Dubai nicht auf „europäischem Standard“. So sei etwa die Dauer des Mutterschutzes mit 30 Tagen sehr kurz, und auch der Wiedereinstieg nach der Karenz sei aufgrund fehlender Möglichkeiten wie Elternteilzeit und Pflegeurlaub schwieriger zu gestalten.